LRS oder Legasthenie?

Hat denn dein Kind nun eigentlich LRS oder Legasthenie?

Das interessiert mich wirklich.

Was ist das überhaupt?

Legasthenie?

LRS – Lese-Rechtschreibschwäche?

 

Lass es uns der Reihe nach betrachten:

Wenn du zehn Wissenschaftler befragst, was Legasthenie eigentlich ist, dann bekommst du 8 bis 10 unterschiedliche Antworten.
Der Brockhaus liefert dir eine Definition wie „Schwäche im Erlernen des Lesens und orthographischen Schreibens bei vergleichsweise durchschnittlicher oder sogar guter Allgemeinbegabung des Kindes; äußert sich v.a. in der Umstellung und Verwechslung einzelner Buchstaben oder ganzer Wortteile.“

Versteht man sofort, oder? wink
Und was sagt es aus?
„Da klappt was nicht mit dem Lesen und Schreiben. Obwohl das Kind nicht doof ist.“

Es gibt auch noch andere Aussagen:

„Legasthenie ist genetisch bedingt.“ 

Also, ich weiß nicht, ob das so ist.
Fatal sind aber die Folgen, die aus diesen Aussagen gezogen werden:
Wenn es genetisch bedingt ist – dann kann man auch nichts dagegen machen.
Das ist so, wie eine schiefe Nase…

Manche Bundesländer folgern daraus, dass Legasthenie nicht behandlungswürdig ist.
Doch wirklich!

Ganz anders ist es mit LRS.
Obwohl sich da auch nicht alle einig sind, ob diese Abkürzung für

Lese-Rechtschreib-Schwäche
Lese-Rechtschreib-Störung oder
Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten steht.

Egal wofür es steht – die Definitionen für LRS unterscheiden sich oft nur unwesentlich von denen der Legasthenie.

Bei LRS wird nicht von einem genetischen Zusammenhang gesprochen.
LRS ist dann wohl angewöhnt? 

Oder erlernt? 

Konditioniert? 

Durch die Umwelt hervorgerufen?

 

Und weißt du, was mein persönliches Fazit daraus ist?

Mir ist es egal, wie du es nennst.
Mir ist auch egal, wie irgendwelche Fachleute es benennen.

Doch ganz im Ernst:
Ich habe bei der Arbeit in meiner Praxis nie einen Unterschied gemacht, ob ein Kind mit der „Diagnose“ Legasthenie oder LRS gekommen ist.

Ich erkläre dir gerne warum:

Dazu kannst du dir hier ein kurzes Video ansehen, wenn du magst:

Vielleicht gibt es ja wirklich beides nicht!

Vielleicht braucht man die Begriffe nur, damit das Ganze einen Namen hat.

Mir haben das viele Eltern berichtet:
„Wir haben diese Diagnose erstmal erleichternd empfunden.“

Das kann ich auch verstehen:
Da merke ich, dass mein Kind irgendwie Probleme mit dem Schreiben hat.
Und auch mit dem Lesen.
Ich suche krampfhaft nach Ursachen.
Versuche alle möglichen Wege.

Höre auf Ratschläge der Schule, der Ärzte, anderer Eltern…
Und irgendwann auf diesem Weg sagt jemand:
„Dein Kind hat LRS.“

Prima.
Ganz klasse.
Endlich weiß ich, wo dran ich bin.

Ist doch nachvollziehbar, oder?

 

Jetzt komme ich und sage:
Ist mir egal, ich möchte eine andere Definition:

 

„Dein Kind hat Probleme, den Zugang
zum Lesen und Schreiben zu finden.“

Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Wie ich schon gesagt habe:
Mich hat eine vorliegende Diagnose nie gekümmert.

Ich habe den Kindern einfach einen anderen Zugang zu den Wörtern gezeigt.
Und es hat funktioniert.

Mit und ohne Diagnose.

Und weißt du, wem das noch völlig gleichgültig ist?

Deinem Kind!

Kinder interessiert es wirklich Null, wie wir die Sache nennen.
Kinder verwenden auch die Begriffe meist nicht.
Immer wenn ich frage:
„Warum bist du heute zu mir gekommen?“
Was meinst du, haben die Kinder geantwortet?
„Weil das mit dem Schreiben nicht ganz so gut klappt.“
„Weil ich in Deutsch nicht so gut bin.“
„Weil ich immer so viele Fehler mache.“

Von Legasthenie oder LRS haben die Kinder nie gesprochen…

Wie gefällt dir meine Definition?

Kann es sein, dass auch dein Kind lediglich einen anderen Zugang zum Schreiben finden muss, als die meisten anderen?

Schreib mir deine Ansicht in den Kommentaren.

Vielen Dank für deine Zeit.
Lass uns deinem Kind diesen anderen Zugang zeigen.

Liebe Grüße

UnterschriftTH