Legasthenie-Test

Legasthenie-Test

Über Sinn und Unsinn von Testverfahren zu Legasthenie.


Da bin ich beinahe hinten über gefallen…
Als ich bei google „Legasthenie-Test“ als Suchwort eingegeben habe.
Hast du das vielleicht gerade auch gemacht?

Damit habe ich etliche Stunden verbracht.
Die kannst du dir getrost sparen.

Was ich herausgefunden habe, teile ich gerne mit dir.

Legasthenie-Test


Die eigentliche Überraschung gibt’s gleich vorweg:

Es gibt überhaupt keinen Legasthenie-Test. 
Auch wenn es komisch klingt - aber das ist wirklich real!

Um das zu verstehen, müssen wir hinter die Kulissen schauen.
Kommst du mit?
Wo starten wir am besten?
Bei der Definition von Legasthenie?
Oder mit der Geschichte des Legasthenie?
Oder bei den Therapien bei Legasthenie?
Alles Unsinn!

Es existiert bei uns keine eindeutige Definition, was Legasthenie ist.
Details dazu kannst du im Legasthenie-Überblick nachlesen.

Oder, falls du dir das lieber ansiehst:

Schon vor zwanzig Jahren galt:
Frage zehn Wissenschaftler oder Ärzte was Legasthenie ist - und du bekommst acht verschiedene Antworten.
Mindestens.
Vielleicht auch 11.

Jetzt könnten wir es uns ja ganz einfach machen:
Wenn es keine einheitliche Definition gibt, dann können wir auch nichts testen.
Nicht ist mit dem Legasthenie-Test.
Und tschüss…


Na gut, ganz so leicht machen wir es uns dann doch nicht:

Wenn du dich im Internet umschaust, dann findest du jede Menge Legasthenie-Tests.
Und jeden einzelnen davon kannst du in die Tonne kloppen.
Warum?
Das beweise ich dir gleich.

Wir sind ja wissenschafts-gläubig.
Alles, was wissenschaftlich bewiesen ist, gilt.
Was nicht bewiesen ist, fällt durch den Rost.
So einfach ist das.

Ich gehe noch einen Schritt weiter:
Was bedeutet es, wenn etwas wissenschaftlich nicht bewiesen ist?
Ist es dann widerlegt?
Oder ist es nur nie untersucht worden?

Warum ist das für uns hier wichtig?
Weil wir es beim Lernen mit Menschen zu tun haben.
Weil Menschen unterschiedlich sind.
Weil nicht alle alles gleich gut können.
Weil jeder anders ist, als sein Nachbar.
Und wenn ich jetzt gerade an meinen Nachbarn denke, dann bin ich froh drum…

Spaß beiseite:
An dieses „Wie lernen wir?“ einen wissenschaftlichen Maßstab anzulegen, halte ich für problematisch.

Also sind pfiffige Leute hingegangen und haben sich Gedanken gemacht.
Darüber, wo denn die Ursachen für all die Auffälligkeiten, die wir als Legasthenie bezeichnen, sein könnten.


Grob lassen sich dabei mehrere Bereiche unterscheiden:

Kinder haben Probleme mit der Rechtschreibung.
Machen also mehr Fehler beim Schreiben als andere.

   Ab wann gilt dieses „mehr“ denn als auffällig?
   Gibt es da einheitliche Richtlinien?
   Oder macht die Lehrerin das aus dem Bauch raus?
   Und hat die Lehrerin den gleichen Bauch wie Ihre Schulleiterin?

Um das wissenschaftlich prüfen zu können, verwendet man beispielsweise den WRT, den DRT oder den HSP.
Das klingt prima, oder?
Ich löse dieses Abkürzungs-Wirrwarr gerne auf:

WRT steht für Weingartener Rechtschreib-Test.
DRT für Diagnostischer Rechtschreib-Test.
Und HSP für Hamburger Schreib-Probe.
Aus Marburg gibt es auch noch was…

Keine Sorge:
Ich will mich hier mit den einzelnen Tests gar nicht im Detail auseinander setzen.
Ich will auch keine Wertung über Sinn oder Unsinn dieser Tests abgeben.
Das kann ich gar nicht.
Das steht mir gar nicht zu.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe ich hier auch nicht.
Ich bin mir sicher, dass es noch etliche andere Tests bei uns gibt.


Kinder haben beim Lesen Schwierigkeiten.

Manche lesen langsamer.
Stockend.
Besonders, wenn sie vor einer Gruppe vorlesen sollen.

Das muss man doch auch testen können…

Kann man:
Auf die Schnelle bin ich auf den Zürcher Lesetest (ZLT) und den
Salzburger Lese- und Rechtschreib-Test (SLRT) gestossen.
Aber da gibt es bestimmt auch was aus Deutschland…


Geschichtlich begründet gibt es das Vorurteil, dass Legastheniker ein bisschen doof sind.

Diese Meinung hat sich über Jahrzehnte entwickelt.
Und hält sich prima in den Köpfen.
Dusselige Bemerkungen haben kein Verfallsdatum.

Diesem Themenbereich setzt man gerne den HAWIK entgegen.
Steht für Hamburger-Wechsler-Intelligenztest für Kinder.

Und um die political correctness zu wahren, gibt es den CFT.
Culture Fair Intelligence Test.

Spannend fand ich persönlich noch folgende Bezeichnung:
Kauffmann-assesment-batterie for children. Abgekürzt K-ABC.
Klingt ein bisschen wie „mal schauen, ob du den Job bekommst…“
Den Begriff Assesment kenne ich nur aus Bewerbungs-Verfahren.


Kinder können psychische Probleme haben.

Hier kannst du wählen zwischen
dem DTK (DepressionsTest für Kinder) und
dem AFS (Angst-Fragebogen Schule).
Letzterer wird von google als "pädagogisches Testverfahren für Lese-Rechtschreib-Schwäche" bezeichnet.

Das finde ich absolut erschreckend. Weil das eine Information von google ist, die sich in keinster Weise begründen lässt…
Also:
Augen auf beim google-Kauf. ;-)


Legastheniker können sich oft nicht gut konzentrieren.

TAP Die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung.


Ganz ehrlich?
Das macht mir überhaupt keinen Spaß.
Überhaupt.
Nicht.
Diese Auflistung und die ganzen Abkürzungen.
Was soll das?
Wofür?

Alles nur, um unsere Kinder in Schubladen stecken zu können?
Das Sortieren leichter machen?

Obwohl es - wie vorhin schon erwähnt - gar keinen Legasthenie-Test gibt?


Dann löse ich jetzt mal das Rätsel auf:
Warum kannst du das alles in die Tonne kloppen?

Weil du keine „wissenschaftlichen“ Tests brauchst.

Sondern deinen gesunden Menschenverstand.

Es sei denn, der ist durch Google, Medien und Fernsehserien schon flach genug. Dann macht es keinen Sinn.

Und:
Nein.
Ich will hier nicht im Rundumschlag diese ganzen wissenschaftlichen Bemühungen wegfegen.
Ich möchte nur verhindern, dass ständig mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.


Was bedeutet denn diese Unzahl an Test-Verfahren?

Ein Legasthenie-Test um des testens Willen?
Soll dein Kind all diese Tests absolvieren?
Wie lange soll es dafür brauchen?

Ich kenne die Tests gar nicht im Detail.
Aber ich unterstelle den Entwicklern, dass die mehr als ein paar Minuten dauern.
Soll dein Kind das auf einmal machen?
Am Stück?
Oder verteilt auf mehrere Sitzungen?
An mehreren Tagen?

Wie geht es deinem Kind dabei?
Hat es Lust dazu?
Macht es gerne mit?
Oder blockt es das eher ab?


Stell dir mal folgendes Ergebnis vor:

Dein Kind hat diese Tests (als Legasthenie-Test) absolviert.
Jetzt steht fest, dass es mehr Fehler beim Schreiben macht.
Vorlesen fällt ihm schwer. Macht es gar nicht gerne.
Und es stockt dabei auch häufig.
Und Satzzeichen überliest es außerdem auch.
Doof ist es nicht.
Der Intelligenztest liegt eher im oberen Bereich.
Psychische Auffälligkeiten sind nicht zu erkennen.
Nur mit der Konzentration könnte es manchmal etwas besser sein.
Durchhaltevermögen ist anders…

Wo genau kannst du jetzt ansetzen?
Welchen Handlungsablauf leitest du ab.

Ganz einfach, oder?

Dein Kind muss lediglich beim Schreiben und beim Lesen besser werden. Und sich mehr konzentrieren.

Das wusstest war dir doch sonnenklar.
Auch schon bevor dein Kind diese Tests gemacht hat.
Oder?

Was ist jetzt zu tun?
Üben?
Wie die Lehrerin gesagt hat?
Tabletten?
Wegen der Konzentration?
Oder doch lieber Traubenzucker statt Ritalin?

Erinnere dich an meinen Verweis auf deinen gesunden Menschenverstand.


Wollen wir mal einen andere Ansatz versuchen?

Trifft folgende Behauptung auf dein Kind zu?

Dein Kind lernt 
das Lesen und Schreiben 
offenbar nicht ganz so leicht, 
wie die anderen.


Dieser Satz alleine reicht mir aus um Kindern wirksam zu helfen.
Und genau das mache ich seit über 20 Jahren.

Ich versuche immer heraus zu finden, was die Ursache dafür ist.
Anstatt jetzt irgend etwas zu testen, stelle ich nur eine Frage:
„Sag mal, wie machst du das, wenn du etwas richtig schreibst?“

Du solltest mal sehen, wie die Kids auf diese Frage reagieren…
Das hat sie nämlich noch nie jemand gefragt.

Das liegt in unserer Natur:
Wir sehen Fehler.
Wir zählen Fehler.
Und wir wollen Fehler vermeiden.
Oder verhindern.

Unter dem Diktat steht immer nur:
8 Fehler.
Oder 11.

Warum schreibt die Lehrerin da nicht drunter:
68 Wörter richtig geschrieben.
11 andere Schreibweisen.

Das hat mir mal eine Lehrerin ganz einfach erklärt:
Ein Erlass des Kultusministeriums regelt, dass sie die Fehlerzahl unter ein Diktat schreiben muss.
O.K.
Das lasse ich gelten.
Steht denn in dem Erlass auch, dass die Anzahl der Wörter dort nicht erwähnt werden darf?

Zurück zu den Kids:
Auf meine Frage, wie sie vorgehen, wenn sie etwas richtig schreiben… da wissen die meisten einfach keine Antwort.
Weil sie das einfach so machen.
Ohne darüber speziell nachzudenken.

Ich finde es nicht schlimm, wenn ich da keine Antwort bekomme.

„Wenn wir gemeinsam herausfinden, wie du das machst… dann können wir das auf die Wörter, die dir manchmal Probleme machen, übertragen.
Wie findest du diese Idee?“

Hast du es gemerkt?
Erkennst du, wie mein Ansatz ist?
Und dass ich dafür überhaupt keinen Test brauche?

Und doch:
Ich brauche zwar keinen Test aber etwas anderes:
Ich brauche einen Text, den das Kind geschrieben hat.
Das kann ein Diktat sein.
Oder ein frei geschriebener Text.

Da zähle ich ganz schlicht die Wörter.
Damit kann ich immer argumentieren:

„57 Wörter sind in dem Text drin.
42 hast du richtig geschrieben.
Du schreibst also viel mehr Wörter richtig.
Wie machst du das?"

Du kannst das mit deinem Kind ausprobieren.
Jederzeit.
Wenn du willst helfe ich dir dabei.

Im internen Mitgliederbereich meiner Internet-Seite findest du eine Menge Tipps und Anregungen, die deinem Kind weiterhelfen.
Ganz sicher.
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... worauf du dich verlassen kannst.

Lieben Dank für deine Zeit.

Unterschrift TH


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