Lese-Rechtschreibschwäche – eine Modediagnose

Heute scheint fast jedes Kind, das Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, schnell die Diagnose „Lese-Rechtschreibschwäche“ zu bekommen.

Warum ist das so?

Auf den ersten Blick hat diese Diagnose sogar Vorteile:

  • Eltern sind häufig erleichtert, weil sie endlich wissen (!) was mit ihrem Kind los ist.
  • Und auch für die Schulen wird es einfacher:
    Wenn die ModeDiagnose Lese-Rechtschreibschwäche vorliegt, darf die Lehrerin das berücksichtigen. Und kann dem Kind Erleichterungen verschaffen.
    Gleichzeitig steht die Lehrerin weniger in der Verantwortung.

Im Umkehrschluss bedeutet das:
Vor einigen Jahrzehnten ging man noch von etwa 5–7 % der Kinder aus.
Heute werden häufig 12–15 % genannt, teilweise sogar noch mehr.

Kann das sein?
Sind unsere Kinder plötzlich schlechter geworden?
Natürlich nicht.

Ich vermute etwas anderes:
Es ist einfach in Mode.
Es hat sich zu einem Instrument entwickelt.
Hat ein Kind Schwierigkeiten, bekommt es schnell eine Diagnose.

Diesen Mechanismus müssen wir durchbrechen.
Der sortiert nur – aber er hilft in keinster Weise.

Das eigentliche Problem ist:

Die Diagnose erklärt noch nicht, warum ein Kind Schwierigkeiten hat.

Viel einfacher: Ich verstecke mich hinter der Diagnose!

Hinter der Diagnose „Lese-Rechtschreibschwäche“.

Und etwas anderes kommt noch hinzu:
Unser Schulsystem fördert diese Entwicklung sogar – ohne es zu wollen.

Eine Grundschullehrerin begleitet ein Kind oft nur wenige Jahre.
Danach wechselt das Kind auf eine weiterführende Schule.

Entdeckt sie in der zweiten Klasse Schwierigkeiten, weiß sie gleichzeitig:
Bald wird das Kind ohnehin die Schule verlassen.
Klingt zynisch – ist aber wahr.

Hinzu kommt:
Kinder mit LRS fallen im Unterricht oft auf.
Durch ganz unterschiedliche Verhaltensweisen.

Manche ziehen sich zurück und wirken verträumt.
Andere werden zum Klassenclown.
Beides kann ein Versuch sein, trotzdem Anerkennung zu bekommen.

Versetzen wir uns doch einmal kurz in die Situation eines Kindes mit der Diagnose Lese-Rechtschreibschwäche:
Ich merke, dass ich mit dem Lesen und Schreiben nicht so gut mitkomme, wie die meisten anderen.
Manchmal höre ich Kommentare wie „der ist ja doof!“
Wenn ich dann durch Blödsinn machen auffalle, dann bekomme ich von denen, die gerade eben noch dumme Sprüche gemacht haben, Aufmerksamkeit und Anerkennung. Toll. Oder?

Was folgere ich dann daraus?
Das mache ich wieder!
Dann gehöre ich auch dazu.
Obwohl ich Lese-Rechtschreibschwäche habe…
Dass so ein Klassenclown den Unterricht ganz gut stören kann, ist jedem von uns klar, oder?

Was würde wohl passieren, wenn sich Schule des Problems annimmt?
Was wäre, wenn wir stattdessen die eigentliche Ursache angehen würden?

Sicherlich ist dies für die Lehrkräfte ein zusätzlicher Aufwand. Aber ein Aufwand, der sich ganz sicher lohnt.

Was müsste man tun?
Herausfinden, wie genau dieses Kind am besten lernt.
Zu welchem Ergebnis könnte man denn kommen?
Wenn ich einem Kind diese Lernschwierigkeit nehmen kann, dann wird es unauffälliger durch die Schulzeit kommen.
Und das gilt für alle folgenden Jahre.

Genau darum geht es:
Nicht Symptome verwalten, sondern dem Kind einen Lernweg zeigen, der funktioniert.

Welches Fazit kannst du nun ziehen?
Bevor wir einem Kind eine Schublade geben, sollten wir herausfinden, warum es überhaupt Schwierigkeiten hat.
Der Aufwand hierzu ist eher gering.

Dazu stelle ich dir im kostenfreien Mitgliederbereich meines Programms einen Test zur Verfügung

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