anders lernen

Das Geheimnis:
Dein Kind muss anders lernen.

Klingt simpel.
Und ist auch simpel.
Das muss man nur erkennen.
Und dann anerkennen...

Aber auch das der Reihe nach.

Über den Schulunterricht habe ich mich ja schon ausgelassen.
Wenn du den Artikel dazu noch nicht gelesen hast, dann klicke hier:
"Schule und LRS".

Ich gebe dir hier aber auch gerne eine Kurz-Zusammenfassung:

Der Unterricht in der Schule basiert im Wesentlichen drauf, was die Kinder dort hören.
Das funktioniert auch gut.
Zumindest bei den meisten Kindern.
Und in den meisten Fächern.
Aber gerade beim Schreiben lernen wird es oft schwierig.

Korrekte Schreibweisen vom Hören abzuleiten ist eine Sackgasse.

Solltest du daran Zweifel haben, schau dir gerne auch diesen Artikel an:
"Schreiben wie man hört - der große Irrtum"

​Eine einfache Frage auf einer Fortbildung brachte mir mein persönliches AHA-Erlebnis.

Die Frage:
"Wie machst du das, wenn du dir nicht sicher bist, wie ein Wort geschrieben wird?"

​Lass uns doch einfach einmal etwas zusammen ausprobieren.
Vielleicht gibt für dich ja auch ein AHA... :-)

Stell dir vor, du bist dir nicht sicher, wie ein Wort geschrieben wird.

Was machst du dann?
Probierst du einfach?
Schreibst dir vielleicht beide Möglichkeiten auf?
Und siehst dann welche die richtige ist?

Hast Du das schon einmal so gemacht?
Oder so ähnlich?
Und? Hat es funktioniert?

Manchmal merkst du schon vielleicht schon beim Schreiben,
ob das Wort richtig ist oder nicht.
Oder du schreibst wirklich beide Wörter auf –
und siehst einfach welches die richtige Schreibweise ist.
Eine von beiden sieht einfach besser aus.
Du hast ein besseres Gefühl, wenn du drauf guckst.

Wenn das bei dir funktioniert, muss irgendwo in deinem Gehirn ein Abbild des korrekten Wortes vorhanden sein.
Sonst würde es nicht funktionieren.
Dein Gehirn greift also auf einen inneren Bildspeicher zu –
und bringt dir das richtige Ergebnis.

Wusstest du, dass du einen solchen Bildspeicher in dir hast?
Hat dir jemals jemand gesagt, dass du einen solchen Speicher anlegen sollst?
Wohl eher nicht.

Jetzt stelle dir doch bitte mal für einen kurzen Moment vor, dass es bei deinem Kind ganz anders ist.
Gehen wir einmal davon aus, dass im Gehirn deines Kindes gar kein Bildspeicher vorhanden ist.
Oder auch, dass es den Zugang dorthin nicht findet.

Welche Möglichkeiten hat es dann?
Es versucht dann, die richtige Schreibweise irgendwo anders her zu holen.
Vielleicht von dem, wie es das Wort hört.
Manchmal klappt das sogar.
Aber leider nicht immer.
Weil in der deutschen Sprache über die Hälfte der Wörter anders geschrieben werden als gesprochen.
Vielleicht versucht es auf sein Erinnerungsvermögen zuzugreifen.
'Das Wort hatten wir doch erst vor kurzem'.
Kann sein, dass es gelingt.
Kann aber auch sein, dass es eben nicht klappt.
Es ist auch noch etwas anders denkbar:
Dein Kind hat einen Bildspeicher.
Nur leider sind dort keine eindeutigen Bilder vorhanden.
Damit meine ich, dass zu manchen Wörtern einfach mehrere Bilder existieren.
Welches Bild soll dein Kind dann nehmen?
Wahrscheinlich das erste, das es sieht…

Vielleicht ist das jetzt schwer vorstellbar:

Ich kenne ein Mädchen, das zu dem Wort „ging“ 17 unterschiedliche Schreibweisen wusste.
Siebzehn!
Irre, oder?
Eigentlich ist das eine unglaubliche Leistung.
Nur leider ist es im Bezug auf Rechtschreibung eher schlecht…

Du denkst gerade darüber nach, wie man 17 verschiedene Schreibweisen zu „ging“ finden kann, oder?
Das fällt mir auch schwer. ;-)
Aber ginnk, ginnck, gink oder gienk wären dir wahrscheinlich nicht eingefallen, oder?

Lass uns da noch ein wenig näher darauf eingehen:
Stellen wir uns das doch einmal konkret vor.
Zu einem einzigen Wort weiß unser Gehirn fünf oder sechs verschiedene Schreibweisen.
Welche sollen wir dann nehmen?
Nun ja: eine davon.
Die, die uns zuerst einfällt.
Die, die wir vorhin auch genommen haben.
Die, die schön aussieht.
Die, die…

Mit viel Glück entscheiden wir uns für die richtige.
Aber nur mit ganz viel Glück.
Die Trefferquote liegt bei 6:1.
Und Glück und Rechtschreibung ist keine gute Kombination.

Kennst du das nicht auch von deinem eigenen Kind?
Da wird in der zweiten Zeile eines Textes ein Wort überlegt.
Wie schreibe ich das denn?
Es dauert vielleicht einen Moment, bis es sich entscheiden kann.
Dann kommt das gleiche Wort in der vierten Zeile noch einmal vor.
Und wieder wird überlegt.
Das sind Momente, die uns manchmal an den Rand der Verzweiflung bringen, oder? – Aber wir müssen genau das akzeptieren.
Das ist bei unserem Kind so.
In der fünften Zeile taucht das Wort jetzt noch einmal auf.
Und wieder überlegt unser Kind!
Das kann doch wohl nicht wahr sein, denken wir…
Und in der achten Zeile ist schon wieder dieses Wort enthalten…

Kommt dir so etwas bekannt vor?

Und dann wird es spannend:
Wenn es ganz blöd gelaufen ist, dann hat unser Kind das Wort vier Mal anders geschrieben.
Oder auch nur dreimal.
Und vielleicht ist sogar die richtige Schreibweise mit dabei.

Solche Momente hat wahrscheinlich jeder mit seinem Kind schon einmal erlebt.
Mir hat das immer fast den letzten Nerv geraubt…

Jetzt schau doch mal mit dem Wissen von vorhin auf diese Situation.
Wenn im Bildspeicher deines Kindes mehrere Schreibweisen vorhanden sind… dann ist dieses Ergebnis nur eine logische Folge.
Kann das sein?

Welches Fazit können wir ziehen?
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. Unser Kind findet den Zugriff auf den inneren Bildspeicher nicht. Dann müssen wir ihm den zeigen.
  2. Unser Kind findet zwar den Zugang – aber dort sind ganz offenbar unterschiedliche Schreibweisen enthalten.
    Dann müssen wir diesen Speicher korrigieren.
    Also die verkehrten Schreibweisen entsorgen.
    Und die richtigen als richtig markieren.

Und das alles sollte möglichst spielerisch geschehen.
Weil: Alles, was sich nach Üben oder Nachhilfe anhört… bei deinem Kind Widerstand erzeugt.
Da geht es sofort innerlich auf Abwehr.

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