üben mit lrs-kindern

Bei LRS ist "Üben zu Hause" großer Mist.

Warum Üben mit LRS-Kindern nichts bringt

„Sie müssen mit ihrem Kind zu Hause üben.“
„Ohne Üben geht es doch nicht…“
„Ich kann mein Kind doch nicht ungeübt zur Schule schicken.“
Irgend etwas müssen wir doch tun … 
… also üben wir.

Diese Aufzählung könnte ich sicherlich noch fortsetzen.
Den einen oder anderen Satz hast du bestimmt schon mal gehört.
Vielleicht sogar selber gesagt. 
Oder?
Sicher, in der Schule fällt dein Kind auf. 
Weil es sich manchmal selbst die einfachsten Wörter nicht merken kann.

Der Lehrerin ist das ein Dorn im Auge.
Dein Kind ist dann nämlich ein Störfaktor im Unterricht.
Das sagt sie zwar nicht – aber sie denkt es.
Vielleicht möchte sie deinem Kind sogar helfen.
Sie weiß nur nicht WIE…
Ihr Ausweg?
„Bei so vielen Kindern in der Klasse kann ich mich nicht um jedes einzelne kümmern…“
„Sie müssen da etwas tun…“
„Sie müssen zu Hause mit ihrem Kind Üben!“

Damit hat sie jemanden, der ihr das Problem abnimmt.
Nur leider funktioniert dieser Weg nicht.
Dafür ist dein Kind doch der perfekte Beweis.

Obwohl du doch dein Bestes gibst.

Die Lehrerin hat dir gesagt:
"Sie müssen zu Hause etwas tun."
"Sie müssen mit ihrem Kind zu Hause üben!"
"Helfen Sie ihrem Kind."

Leider hat sie dir aber keine konkrete Anleitung gegeben, was du denn genau zu Hause machen sollst.

Mein Vorschlag:
Wir dröseln das jetzt hier einfach gemeinsam auf!
Einverstanden?
Prima.

​Wie läuft das mit dem Üben zu Hause?

Speziell natürlich das Üben mit LRS-Kindern.

Wahrscheinlich machst du das mit dem Üben so, wie du es aus deiner eigenen Schulzeit kennst.
Keine Sorge. Das habe ich mit unserer Tochter auch gemacht.
Aber trotzdem ist es falsch. ;-)

Weil wir künstliche Bedingungen schaffen.

Wir sorgen dafür, dass wir nicht gestört werden.
Wir sorgen außerdem für Ruhe.
Keine Ablenkungen.
Keine Musik.
Fenster zu, damit keine Geräusche von draußen...

Wir sind besonders geduldig beim Üben.
Zumindest versuchen wir, geduldig zu sein. ;-)

Wir wiederholen Wörter, mit denen unser Kind Schwierigkeiten hat.
Nicht nur einmal.
Sondern so lange, bis wir glauben, dass es endlich sitzt.

Wir betonen Wörter​ besonders.
Speziell an den Stellen, die schwierig sind für unser Kind.

Wir sprechen die Wörter langsamer aus.
Viel langsamer, als wir das beim normalen Reden tun.​


​Und all diese kleinen Kniffe kombinieren wir miteinander, wenn wir das für nötig halten.
Wir sprechen langsam, betonen dabei Problemstellen besonders und bleiben dabei ruhig. Und wir wiederholen...

Kurz:
Wir geben uns extrem viel Mühe.
Aber die Ergebnisse sind meist schlechter als erhofft.​

Warum klappt das nicht?

Das größte Problem, bei dieser Art des Übens?
Alles, was ihr da zu Hause macht, hat die Schule auch schon probiert.

In der Schule​

Um das zu verstehen, lass uns mal in den normalen Schulunterricht schauen:

Neue Wörter werden von der Lehrerin ...
... extrem langsam gesprochen ...
... über-deutlich betont ...
... immer wieder wiederholt ...​

Manchmal werden sogar die Silben der Wörter geklatscht.
Damit es noch deutlicher wird.
Som - mer.
Siehst du: Da hörst du das Doppel-m. :-)

Für die meisten Kinder scheint diese Form des Unterrichts gut zu passen.
Die lernen die Wörter auf diesem Weg.
Nur bei deinem Kind ist es offenbar anders.​

Wenn der Lehrerin auffällt, dass dein Kind nicht so richtig mitkommt ...
... dann schickt sie dein Kind zum Förderunterricht.

Förderunterricht​

Lass uns schauen, was dort gemacht wird:

Auch dort werden ....
... Wörter langsam ausgesprochen ...​
... deutlich betont ...
... ständig wiederholt ...

Der einzige Unterschied:
Die Gruppe ist kleiner.
Dadurch ist es leiser im Raum.
Es gibt weniger Störungen.
Die Kinder sind weniger abgelenkt.​

Hallo!
Aufwachen!

Im Förderunterricht werden doch exakt die gleichen Methoden angewendet, wie im normalen Unterricht auch.
Wie soll sich da etwas verändern?
Dass diese Methode für dein Kind nicht passt... das wissen wir doch jetzt.

​Die Definition von Wahnsinn ist,
immer das Gleiche zu tun
und dabei andere Ergebnisse zu erwarten.
(Albert Einstein)

​Und sei mir bitte jetzt nicht böse...
Wie machen wir das, wenn wir zu Hause mit unserem Kind üben?

Auch nicht anders?
Ja ... geht's noch?

Wenn diese Methode für dein Kind richtig wäre, dann hätte es doch im normalen Unterricht schon alles begriffen.
Oder?

Dann lasse uns das Problem jetzt lösen:​

„Das hörst du doch…“ 
oder
„Hör doch mal genau hin!“

Hast du das so – oder ähnlich – schon mal zu deinem Kind gesagt?
Das ist menschlich.
Aber Unsinn.

In der deutschen Sprache, werden nämlich die meisten Wörter eben nicht so ausgesprochen, wie wir sie schreiben!

Das kannst du jetzt kaum glauben?
Das ging mir am Anfang genau so...

Aber ich gebe dir gerne mal einige Beispiele:

Hörst du auch ein sch in dem Wort gesprochen?

Hörst du das h im Wort gefahren?
Oder hört sich das an, wie ein Doppel-a?

Hörst du das t am Ende von Land?

Steil.
Da hören wir ein sch.
Aber das e und das i hören wir als ei.

Welches o hörst du länger?
Das o in Not?
Oder das o In Boot?

Brauchst du noch mehr Beispiele?
Oder habe ich dich überzeugt?

Wenn du es selber überprüfen möchtest,
dann nimm einen beliebigen Satz als Beispiel.
Geh einfach ganz langsam Wort für Wort durch den Satz
und markiere alle Stellen,
die anders klingen als wir sie schreiben.​

In diesem Beispiel werden 19 von 34 Wörtern anders ausgesprochen...
Im Diktat sind das 19 Fehler.

Und dabei gehe ich davon aus, dass wirklich alle Wörter auch klar und deutlich gesprochen werden.
Kinder schreiben sonst nämlich gerne auch mal "andas" oder "lansam" oder "makire"...

Wie sieht dein Kind dieses ganze Lernen und Üben?

In der Schule merkt dein Kind, dass die anderen das packen.
"Nur ich nicht" denkt es sich...

Im Förderunterricht ist sein Erleben genau gleich.
Nur das dort auch viele andere Kinder nicht damit zurecht kommen.
Und die, die gar nicht zum Förderunterricht müssen, die haben frei.

Zu Hause soll dein Kind dann mit dir Üben.
Glaubst du, dass es das anders erlebt?
Hat es nicht auch da schon lange die Erfahrung gemacht, dass ihm das nichts bringt?
Wundert es dann, wenn es keinen Bock drauf hat?
Wenn es sich verweigert?

Bei all den Erfahrungen würdest du das doch auch nicht nicht anders machen, oder?


Deshalb jetzt 3 wertvolle Tipps für das Üben mit Kindern, die von LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) betroffen sind:


Zeichnung Ziffer 1

Es bringt doch eh nichts.
Merkst du doch selber, oder?
Und dein Kind merkt es auch, nicht wahr?
Und warum machen wir trotzdem weiter? 

Obwohl wir wissen, dass es nicht klappt?
Findest du darauf eine nachvollziehbare Antwort?
Siehts du, ich auch nicht...

„Der ist doch total verrückt!“
Hast du das gerade gedacht?

„Ich soll aufhören zu üben?
Aber die Lehrerin hat doch gesagt…
Und ohne Üben geht es doch schließlich nicht!“

Kann ich alles nachvollziehen.
Habe ich selber mit unserer Tochter erlebt.
Noch einmal gaaaanz sachlich:
Diese Art des Übens bringt keinen Erfolg.
Sondern nur Frust auf beiden Seiten.
Bei deinem Kind.
Und bei Dir.

Daraus kannst du nur eines folgern: Lass es!


Die Sache mit den Hausaufgaben

Tipp 

Ziffer 2 Zeichnung

Dein Kind hat in der Schule ein paar Aufgaben nicht fertig bekommen.
Die sollen jetzt zu Hause nachgearbeitet werden.
Hat die Lehrerin gesagt...
Außerdem hat es noch Hausaufgaben auf.
Die sollen auch erledigt werden.
Dafür braucht dein Kind länger als andere Kinder. 
Aber, was soll’s.
Muss ja schließlich sein…

Ich kenne Kinder, die drei oder vier Stunden jeden Nachmittag am Schreibtisch hocken und über den Aufgaben brüten.
Die meiste Zeit gucken die Kids allerdings träumerisch durch die Gegend. So lange kann sich kein Kind konzentrieren.
Geht’s noch?

Dein Kind muss nicht alle Aufgaben erledigen.
30 Minuten für Hausaufgaben reichen.
In der Grundschule.
Mehr macht Stress – und bringt darüber hinaus nicht mal ein Ergebnis. Zumindest kein gutes.

Jetzt wird es ja immer verrückter!“
„Der Typ spinnt ja total!“
Hast du so gedacht?

Kann ich mit leben – aber lies bitte weiter.
Ich sage ja nicht, dass dein Kind zu Hause nichts tun soll.
Aber drei Stunden Hausaufgaben machen bringt einfach nichts.
Also lasst es.


Nimm den Druck raus.

Tipp

Zeichnung Ziffer 3

Wenn morgen ein Diktat geschrieben wird …
… willst du dein Kind dann auch überreden, dafür noch ein wenig zu Üben?

Mit Argumenten wie:
„…damit du morgen nicht wieder so viele Fehler machst …“
du willst doch auch nicht, dass das Diktat morgen daneben geht …“
… oder so ähnlich …

Was passiert in dem Moment?
Du baust Druck auf.
Zumindest moralischen.
Lass das!
Nimm den Druck raus.

Ich weiß, dass das alles total menschlich ist.
Und ich weiß auch, warum wir das machen: aus Liebe.
Wir wollen unserem Kind doch helfen.
Wir wollen ihm ja nichts Böses.
Ich weiß auch hier wieder genau, wovon ich rede. 
Ist uns nämlich selber so ergangen…

Und noch eins weiß ich:
Das ist so unglaublich schwer, da raus zu kommen…
Und doch ist es möglich.

Wo liegt die Ursache für unser Verhalten?
Im Denken in Schubladen.
Vielleicht hat ja die Lehrerin damit angefangen.
Da müssen alle Kinder gleich sein.
Alle müssen gleich schnell lernen.
Alle sollen alles gleich gut können.
Und alle sollten die gleichen Inhalte in ihren Heften haben.
Wenn das klappt, ist die Welt in Ordnung.

Denken wir auch in Schubladen?
Ja sicher.
Und zwar genau in denen, die die Lehrerin da aufgemacht hat.
Wir schließen uns dem an.
Würden wir sonst unser Kind „zwingen“, alle Aufgaben zu Hause zu erledigen?
Egal wie viel Zeit dabei drauf geht?
Haben wir noch andere Schubladen?
Mal überlegen…

Wünschen wir uns nicht auch, dass unser Kind eher unauffällig ist?
Ok, das trifft es nicht ganz.
Wenn’s besonders hübsch ist, finden wir das toll.
Wenn es besonders gut im Sport ist, finden wir das auch toll.
Wenn es langsamer lernt, finden wir das gar nicht toll…
Weil es mehr Zeit braucht.

Du suchst einen Ausweg aus diesem Dilemma.

Sonst hättest du doch gar nicht bis hier her gelesen.

Ich bin mir sicher, dass wir eine tolle Lösung finden.

Alles Liebe für dich.
"Wir finden eine Lösung".

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