Nachteilsausgleich bei LRS

5 Dinge zum Nachteilsausgleich, die du wissen solltest

Nachteilsausgleich: Was bringt er deinem Kind wirklich?

Die entscheidende Frage ist für mich deshalb nicht, ob dein Kind einen Nachteilsausgleich bekommt.
Sondern:
Was verändert sich dadurch für dein Kind?

Die Idee, die hinter dem Nachteilsausgleich steht, ist sicherlich erst einmal gut.

Niemand soll aufgrund einer Schwäche
in seiner Entwicklung benachteiligt werden.

Das ist sicherlich ein guter Gedanke.

Worum geht es den Eltern?

Die meisten Eltern wünschen sich klare Regelungen.
Sie möchten wissen, wie die Schule (sprich: die Lehrkräfte) reagieren muss/müssen.
Sie möchten, dass ihr Kind in der Schule fair behandelt wird.

Erlaube mir aber dennoch eine Frage:

Aber hilft der Nachteilsausgleich deinem Kind tatsächlich beim Lernen?
Oder hilft er nur dabei, die Folgen seiner Schwierigkeiten abzufedern?

Verändert sich irgend etwas an deinem Kind, wenn der Nachteilsausgleich gewährt wird?
Lernt es dann besser?
Richtiger?
Leichter?

Der Nachteilsausgleich verändert nicht, wie dein Kind Lesen und Schreiben lernt.

Von LRS – also Lese-Rechtschreib-Schwäche – betroffene Kinder können einen Nachteilsausgleich bei LRS beanspruchen.

Das ist erst einmal gut.

Was bedeutet das für dein Kind?

Versetzen wir uns einmal kurz in die Lage eines LRS-Kindes.

Ich merke, dass die anderen Kinder leichter lernen.
Die können sich Wörter einfach leichter merken, als ich.
Und die können sich besser erinnern.
An fast alle Wörter, die wir gestern oder vorgestern gelernt haben.
Hmmm…
Die lesen auch flüssiger vor.
Die bleiben nicht bei so vielen Wörtern hängen, wie ich.
Wenn ich nur wüsste, wie die das machen…

Manche Kinder fühlen sich dadurch ausgegrenzt.
Sie merken, dass ihnen etwas schwerer fällt als den anderen.
Und ziehen sich zurück.

Ist das so?
Kennst du das von deinem Kind?

Manche Kinder suchen einen Ausgleich.

Der eine ist ’ne Sportskanone.
Er läuft schneller oder springt höher als die anderen.
Und findet so Anerkennung.
Genau die Anerkennung, die er im Deutschunterricht ganz sicher nicht bekommt.

Ein anderer kann besonders gut Witze erzählen.
Da hören die anderen gerne zu.
Er bekommt also auch Anerkennung.

Der dritte ist eher unsportlich und Witze liegen ihm auch nicht.
Aber er hat mitbekommen, dass frech sein auch Anerkennung bringt.
Also ist er frech.
Sagt die Dinge, die andere sich nicht trauen würden.
Und bekommt so Anerkennung. 

Hand aufs Herz:

Wie selbstbewusst wirkt dein Kind?
Und wie viel davon hat vielleicht damit zu tun, dass es beim Lesen und Schreiben immer wieder erlebt, dass andere etwas leichter können?

Kommen wir zu den Erlassen der Kultusminister.

Wie der Nachteilsausgleich aussieht, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
Und auch die konkrete Umsetzung kann unterschiedlich aussehen.

Manche Schulen sprechen Eltern auf die Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs von sich aus an.
Andere versuchen das Thema so weit wie möglich zu umgehen.

Was bedeutet das nun konkret für dein Kind?

Ich kann mich hier nur auf Berichte von Kindern berufen:

  • Manche Kinder bekommen mehr Zeit um eine Klassenarbeit zu schreiben.
  • Manche dürfen Hilfsmittel  – also beispielsweise einen Computer mit Rechtschreibkontrolle – nutzen.
  • Manche bekommen weniger Aufgaben.
  • Manche bekommen Aufgaben vorgelesen.

Ich denke, dass all diese Maßnahmen durch die Erlasse abgedeckt sind.

Die Schwierigkeiten eines Kindes sind allerdings sehr unterschiedlich.
Deshalb ist auch die Frage nicht immer einfach:

Was hilft diesem Kind wirklich?

Viele Eltern sind geradezu erpicht auf den Nachteilsausgleich. 

Sie bemühen sich darum, den Nachteilsausgleich für ihr Kind durchzusetzen.
Das kann ich gut verstehen.
Für viele Eltern ist er zunächst eine echte Erleichterung.

Dann kommt das Kind nicht mehr mit dem schlechtesten Diktat der Klasse nach Hause.
Sondern es hat einfach auch nicht mehr Fehler als andere.
Da ist das Kind weniger deprimiert.
Halt einfach besser drauf.
Das ist doch gut, oder?

Mich bewegt aber eine ganz andere Frage:

Wie geht dein Kind damit um?
Empfindet dein Kind den Nachteilsausgleich als etwas gutes?
Oder hat das einen Beigeschmack?

Ich muss dir an dieser Stelle mal eine Kindheitserinnerung von mir erzählen:
Ich war mit meinen Eltern in Skiurlaub in Österreich.
Keine Ahnung wie alt ich damals war.
Ich schätze mal irgendwo zwischen 8 und 11.

Ich war ziemlich stolz, dass ich mich auf Skiern bewegen konnte.
Und träumte von tollen Abfahrten.
Also ich fand, dass ich ganz toll skifahren konnte.

An einem Samstag wurde in unserem Urlaubsort ein Skirennen veranstaltet. Slalom. Konnte ich nicht gut. Aber egal.
Ich hab halt mitgemacht.
Ich erinnere mich noch, dass ich das schwierig fand. Gucken und fahren gleichzeitig. Wo stehen diese blöden Stangen? Wo muss ich lang fahren?

Das stellte sich dann aber als einfacher heraus, als ich es vorher befürchtet hatte. Die Spur war schon ziemlich ausgefahren. Da konnte man nicht viel falsch machen.

Nachmittags bin ich dann zur Siegerehrung gegangen.

Richtig baff war ich, als mein Name aufgerufen wurde.
Zweiter!
Silberne Anstecknadel.
Klingt toll, oder?

Ich fand es total doof!
Ganz ehrlich.

Ich will es kurz erklären:
Man hatte eine Kategorie eingerichtet.
Ich weiß heute nicht mehr wie die genaue Bezeichnung war.
Aber es wird so etwas wie „Kinder aus Deutschland unter 15 Jahren“ gewesen sein. Oder unter 12.
Spielt auch keine Rolle.
Wir waren in unserer Gruppe übrigens vier Starter…

Aus Marketing-Sicht eines Wintersport-Orts kann ich das heute nachvollziehen.

Aber damals habe ich mich geschämt.
Und niemandem davon erzählt.
Schon gar nicht meinen Eltern.
Und die silberne Nadel habe ich noch im Hotelzimmer in den Papierkorb geworfen.
Die wollte ich nicht haben…

Kannst du das verstehen?

Warum erzähle ich dir das?
Das will ich dir gerne sagen:
Weil mir viele Kinder von ihrem Erleben berichten.

Ein Gespräch aus dem Lerntraining ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben:
Kind: „Ich hatte im letzten Diktat nur sechs Fehler.“
Ich: „Das ist ja prima!“
Kind: „Ja, aber ich habe auch weniger Wörter im Diktat gehabt…“
Ich glaube, das war ziemlich genau der Wortlaut.

Fühlt sich ein Kind in dem Moment so, wie ich beim Skirennen?

Freut es sich über die wenigen Fehler?
Oder denkt es gleichzeitig:
„Ich habe das nur geschafft, weil ich weniger machen musste.“

Aber da ist auch noch etwas anderes:
Die Tatsache, dass ich mich bis heute recht genau daran erinnern kann.
Spricht doch eigentlich für sich, oder?

Was ist, wenn es den Kindern in der Schule mit dem Nachteilsausgleich genauso geht?

Ich finde die Vorstellung ein bisschen gruselig.

Mich motiviert die Geschichte heute.
Sie motiviert mich dazu, möglichst vielen Kinder wirklich effektiv zu helfen.
Deshalb gibt es diese Internet-Seite…

Fazit:

ch möchte den Nachteilsausgleich auch gar nicht grundsätzlich schlechtreden.
Wenn ein Kind tatsächlich eine Einschränkung hat, kann es selbstverständlich sinnvoll sein,
diese bei der Bewertung zu berücksichtigen.

Meine Frage ist eine andere:

Was ist, wenn ein Kind gar keine dauerhafte Einschränkung hat, sondern einfach einen anderen Weg braucht, um Lesen und Schreiben zu lernen?

Lass doch einmal in deinem Kopf für ein paar Minuten meinem Gedankengang Platz:

Wenn dein Kind mit dem Lesen und Schreiben in der Schule ein Problem hat…
… liegt das dann an deinem Kind?
Oder kann die Form des Unterrichts etwas damit zu tun haben?
Was ist, wenn dein Kind nur eine andere Art des Lernens braucht?

Lass dir einfach mal einen Moment Zeit, über diese Frage nachzudenken…

Wenn du darüber mehr erfahren möchtest, kannst du hier weiterlesen, worüber man in der Schule oft nicht spricht.

Und jetzt treibe ich das noch ein wenig auf die Spitze:

Ich habe immer und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Kinder richtig schreiben lernen. Ganz einfach.
Ganz schnell.
Ohne sich dabei besonders anzustrengen.

Und dabei spielt es keine Rolle, ob jemand LRS oder etwas anderes diagnostiziert hat.

Und jetzt stell dir vor, dein Kind könnte diesen anderen Lernweg mit gerade einmal einer Viertelstunde pro Tag spielerisch kennenlernen.
Dann würde sich vielleicht etwas viel Grundsätzlicheres verändern als nur das nächste Diktat.

Die LÖSUNG liegt vor dir.

Wenn du wissen möchtest, wie dieser andere Lernweg funktioniert, dann trage dich kostenlos als Mitglied im etwas anderen Lernprogramm ein.

Alles Liebe für dich.
„Wir finden eine Lösung“.

Unterschrift TH

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