Hat dein Kind LRS oder Legasthenie?

Was ist überhaupt der Unterschied?

In diesem Artikel klären wir die folgenden Punkte:

  1. Die Definition von LRS (Lese-Rechtschreibschwäche)
  2. Wie Lehrkräfte, Eltern und Kinder damit umgehen
  3. Gibt es alternative Denkansätze?
Zeichnung Ziffer 1

Was ist eigentlich Legasthenie?

Wenn du zehn Wissenschaftler danach fragst, dann wirst du möglicherweise acht bis 10 unterschiedliche Antworten bekommen.
Oder auch nur fünf oder sieben…
Je nachdem welche Wissenschaftler du fragst.

Dieser Weg führt uns also nicht weiter.

Alternative 1: Das Lexikon

...sofern du noch eines zu Hause hast.

Der Brockhaus lieferte eine Definition wie „Schwäche im Erlernen des Lesens und orthographischen Schreibens bei vergleichsweise durchschnittlicher oder sogar guter Allgemeinbegabung des Kindes; äußert sich v.a. in der Umstellung und Verwechslung einzelner Buchstaben oder ganzer Wortteile.“
Na, das versteht man sofort, oder? ;-)

Was sagt uns diese Umschreibung?

„Da klappt was nicht mit dem Lesen und Schreiben.
Obwohl das Kind nicht doof ist.“


Wenn du den moderneren Weg gehen willst, dann schaust du bei wikipedia nach.
Welche Enttäuschung!
Du wirst beim Suchbegriff Legasthenie sofort zu Lese-Rechtschreibschwäche weitergeleitet.Das hilft auch nicht wirklich weiter, wenn wir wissen wollen was LRS und Legasthenie voneinander unterscheidet.


Alternative 2: Den ICD-10.

Der ICD-10 ist ein Verzeichnis der Krankheiten und wird von der WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) veröffentlicht.

Legasthenie wird dort nicht explizit erwähnt.
Es wird lediglich auf die Lese-Rechtschreibschwäche verwiesen.

Diese wird wie folgt definiert:

Als Krankheit (!)

Dabei werden zwei Bereiche unterschieden:

  1. die Lese-Rechtschreib-Störung und die
  2. isolierte Rechtschreibstörung.

Da kratzen wir gerade an einem interessanten Punkt:

Offenbar ist man sich bei uns nicht einig, ob die Abkürzung LRS für 
Lese-Rechtschreib-Schwäche,
Lese-Rechtschreib-Störung oder
Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten steht.

Mir ist es ganz gleich, welche Bezeichnung dir besser gefällt.
Ich stelle fest:
Die Definitionen von LRS unterscheiden sich oft nur unwesentlich von denen der Legasthenie.


Alternative 3: Der Blick ins Internet.

Dort stoßen wir recht flott auf die Aussage, dass Legasthenie erblich bedingt ist. Oder zumindest erblich bedingt sein kann.

Einen konkreten Nachweis für diese Aussage konnte ich allerdings keinen finden.

„Endlich haben wir das für Legasthenie
verantwortliche Gen bestimmen können!“

Diese Meldung geisterte vor etlichen Jahren durch die Medien. Das war mal ein wirkliche Hype. Mittlerweile hört man wenig bis nichts mehr davon…
Der damals angekündigte „Durchbruch in der Legasthenie-Forschung“ scheint noch auf sich warten zu lassen.


Warum ich den Bereich der Genetik überhaupt erwähne?

Weil es bei uns Kultusministerien gibt, die diesen Unterschied für bedeutsam halten.
In Bayern geht man davon aus, dass Legasthenie erblich bedingt ist.
Warum ist das schlimm?
Weil damit Legasthenie zur Haarfarbe wird.
Oder zur schiefen Nase.
Oder zum Wangengrübchen.
Zu etwas natürlichem.

Das Ergebnis dieser Denkweise:
Das ist von der Natur so vorgegeben.
Folglich kann man auch nichts dagegen tun.
Diese Kinder sind nicht therapiewürdig.
Das wäre ja noch schöner.
Haare kann man färben.
Legasthenie nicht.


Dann ein letzter Blick auf die Lese-Rechtschreibschwäche:
Wenn die nicht genetisch bedingt ist, woher hat mein Kind das dann?

Hat mein Kind sich das irgendwie angewöhnt?
Es erlernt?
Sich abgeschaut?
Habe ich mein Kind zum LRS-Kind erzogen?
Welche Rolle spielt das Umfeld?
Welche Rolle die Umwelt?


Fazit:
Ich kann dir keine gültige Definition liefern.
Gleich verrate ich dir allerdings, warum das auch nicht nötig ist…
Weil es uns nicht weiter hilft.
Kein Stück.

Zeichnung Ziffer 2

Wie gehen die Beteiligten mit der Frage LRS oder Legasthenie um?

Die Lehrer

„Ihr Kind hat LRS. Da müssen sie sich kümmern!“'
Solche Sätze fallen in den Schulen immer wieder.

Diese Sätze helfen den Lehrerinnen dabei, die Kinder zu sortieren.
In Schubladen zu stecken.

Da sind halt zwei oder drei Kinder in der Klasse, die nicht so gut mitkommen, wie die anderen.
Die bekommen ein Stempelchen.
Das Stempelchen LRS.
Und gut ist…

Oder hat das Kind Legasthenie?
Egal.
Die Kids können nicht so gut schreiben.

Schublade auf.
Kind rein.
Schublade zu.

Andere Schubladen sind übrigens ADS, ADHS, Diskalkulie, Hyperaktivität, fehlende Konzentration… aber darauf will ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

Wie geht es den Eltern damit?

Ganz viele Eltern haben mir gesagt:
„Wir haben diese Diagnose erstmal erleichternd empfunden.“

Das kann ich gut verstehen.

Da merke ich, dass mein Kind irgendwie Probleme mit dem Schreiben hat.
Und auch mit dem Lesen.
Ich suche krampfhaft nach Ursachen.
Versuche alle möglichen Wege.
Höre auf Ratschläge der Schule, der Ärzte, anderer Eltern…

Und irgendwann auf diesem Weg sagt jemand:
„Dein Kind hat Legasthenie.“
oder
„Dein Kind hat LRS.“

Prima.
Ganz klasse.
Endlich weiß ich, wo dran ich bin.
Ist doch nachvollziehbar, oder?

Mein Kind hat Legasthenie.
Oder LRS.
Vielen Eltern hilft diese Aussage.

Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich diesem Problem Lese-Rechtschreibschwäche begegnen kann.
Dann wird alles besser.
Hoffentlich…


Viel wichtiger ist mir, wie die Kinder damit umgehen.

Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt.
Irgend etwas ist mit ihnen nicht in Ordnung.
Sie merken jeden Tag, dass manche Dinge den anderen Kindern leichter fallen.
Ohne zu wissen warum das so ist.

Kinder spüren aber auch unsere Hilflosigkeit.
Manchmal auch unsere Wut.
Unsere Wut auf die Schule.
Oder gar auf die Lehrerin.
Und das macht es dann wirklich schwierig für das Kind.

Wie soll es denn bitte morgen zur Schule gehen, wenn wir als Eltern uns heute über die Lehrerin aufregen?
Beim Kind kommt doch nur an, dass wir die auch doof finden.
Soll es sich dann morgen freuen?
Begeistert losgehen?

Hinzu kommt, das unser Kind sich wirklich anstrengt.
Es gibt sich jede erdenkliche Mühe.
Nur leider oder entsprechendes Ergebnis.
Es leistet viel mehr als die andern.
Aber es erreicht schlechtere Resultate.

Sein Fazit:
Schule ist doof!
Da habe ich keinen Bock drauf!
Da will ich nicht mehr hin…

Zeichnung Ziffer 3

Alternative Denkansätze zu Legasthenie

Was wäre, wenn es Legasthenie gar nicht gibt?

Ich muss dir sagen, was mich so verwundert:
Seit 1997 beschäftige ich mich jetzt mit Legasthenie oder LRS.

In der gesamten Zeit ist mir kein Kind begegnet, dass nicht in der Lage war, sich Wörter zu merken.
Also die Schreibweise von Wörtern.
Und zwar die korrekte.

Dafür finde ich keine Erklärung.

Kommen zu mir nur Kinder, die verkehrt diagnostiziert wurden?
Die gar keine Legasthenie haben? Oder LRS?
Das wäre schrecklich.
Stell dir mal diese Menge von Fehldiagnosen vor… 

Manche Kinder bringen eine Bescheinigung mit.
Legasthenie steht da drauf.
Oder LRS. Also Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Mir egal, wie du es nennst...
Mir ist auch egal, wie irgendwelche Fachleute es benennen.

Doch ganz im Ernst:
Ich habe bei der Arbeit in meiner Praxis nie einen Unterschied gemacht, ob ein Kind mit der „Diagnose“ Legasthenie oder LRS gekommen ist.

Ich erkläre dir gerne warum:

Schau dir dazu dieses Video an:

Vielleicht gibt es ja wirklich beides nicht!

Offen gestanden ist es mir egal.
Ich wünsche mir eine andere Definition:

„Dein Kind hat Probleme, den Zugang
zum Lesen und Schreiben zu finden.“

Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Wie ich schon gesagt habe:
Mich hat eine vorliegende Diagnose nie gekümmert.
Ich habe den Kindern einfach einen anderen Zugang zu den Wörtern gezeigt.
Und es hat funktioniert.
Mit und ohne Diagnose.


Wie geht es deinem Kind?

Weißt du, was in dieser Fragestellung "LRS oder Legasthenie?" das einzig wirklich entscheidende ist?

Deinem Kind ist es völlig egal, wie wir das Problem nennen.

Glaub mir.
Da bin ich mir sehr sicher.

Eines dürfen wir aber auf keinen Fall übersehen:
Die Kinder wissen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Ich frage sie immer, warum sie bei mir sind.

Spannend die Antworten… 
„Weil ich nicht richtig schreiben kann!“
„Weil es in der Schule nicht so klappt…“
„Weil ich immer so viele Fehler mache…“
„Weil…“
Von LRS oder Legasthenie haben die Kinder nie gesprochen.

Nimm doch nur mal die erste Antwort.
Das ist die, die ich am häufigsten höre.
Was bedeutet es, wenn ein Kind einen Satz so formuliert?

Dafür muss es in sich die feste innere Überzeugung haben, NICHT schreiben zu können.

Das ist großer Mist, oder?

Wie oft muss dieses Kind gehört haben, dass es nicht schreiben kann?
Von wem?
Von den Eltern?
Den Lehrern?
Den Mitschülern?
Verwandten?
Freunden?
von… ?


Wie machst du das...?

Ich mach mit den Kindern immer etwas ganz einfaches:

Ich frage die Kinder, wie sie das machen, wenn sie ein Wort richtig schreiben.

Und selbst da bekomme ich wieder die Antwort, dass sie das nicht können… 

Wenn das so ist, nehme ich einen Text, den das Kind geschrieben hat. Dann zähle ich die Wörter.
Und dann sage ich dem Kind, dass der Text 78 Wörter hat.
56 davon sind richtig geschrieben.

Jetzt kann ich die Frage wiederholen.
„Wie machst du das, wenn du ein Wort richtig schreibst?“
Darauf wissen die meisten Kinder übrigens keine Antwort…

Meine nächste Frage:
„Irgendwie musst du es ja machen. Es klappt ja schließlich.
Wollen wir zusammen herausfinden, wie dein Gehirn das schafft?

Wie klingt das für dich?
Klingt das nach Pauken?
Oder nach schnöder Nachhilfe?

  • Was wäre, wenn wir zuerst mal schauen, was dein Kind alles kann?
  • Wenn wir schauen, wie es das macht?
  • Wenn wir ausprobieren, ob es nur eine andere Art des Lernens braucht?
  • Wenn wir herausfinden, ob die Art des Unterrichts die richtige für dein Kind ist?
  • Was wäre, wenn wir einen Weg finden, mit dem dein Kind sich Wörter merken kann?
  • Und plötzlich richtig schreiben könnte?


Das wäre irre, oder?
Kaum zu glauben…
Und doch ist es meist so einfach.

Wann fängst du an,  mit deinem Kind anders zu lernen?

Alles Liebe für dich.
"Wir finden eine Lösung".

Unterschrift TH Hofmann
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