Neun verdammt gute Gründe, bei deinem Kind keinen LRS-Test zu machen.

„Waaas?
Sie wollen einen LRS-Test mit meinem Kind machen?“
„Wenn ich Nico das sage, kommt er freiwillig bestimmt nicht mit!“
Solche Sätze höre ich immer wieder.
Wenn ich nachfrage, höre ich fast immer das Gleiche:
„Wissen Sie, mein Nico ist jetzt schon so oft getestet worden … ich kann’s verstehen, dass er da keine Lust mehr zu hat.“
Kannst du ihm das verdenken?
Kannst du ihm das verdenken?
Ich zeige dir in diesem Artikel, wie ich das löse. Vielleicht ist das auch für dein Kind ein guter Weg.
Früher hatte man vermeintlich einfachere Lösungen an der Hand, wenn ein Kind beim Schreiben Fehler gemacht hat:
Üben üben üben
„Dein Kind muss sich nur mal richtig hinsetzen und üben.
Und wenn es nicht will, dann musst du halt dafür sorgen!“
Gerne wird so ein Satz noch ergänzt durch ein saloppes „Das hat bei uns früher auch geholfen!“
Das ist einer der schlechtesten Ratschläge, die Eltern bekommen können.
Üben allein bringt dein Kind nicht weiter.
Warum das so ist, erkläre ich ausführlich im Artikel Üben bei LRS: Warum du sofort damit aufhören sollst.
Trotzdem hält sich dieser Rat bis heute hartnäckig.
Wahrscheinlich deshalb, weil wir ihn selbst schon in der Schule gehört haben.
„Jedes verkehrt geschriebene Wort als Berichtigung dreimal schreiben“.
So haben viele Lehrerinnen und Lehrer schon vor Jahrzehnten gearbeitet.
Geholfen hat es den meisten Kindern allerdings nicht.

Schauen wir uns deshalb einmal genauer an, was hinter LRS eigentlich steckt.
In unserem Fall:
Bis heute gibt es keine allgemein anerkannte Definition von LRS oder Legasthenie.
Ein Kollege mit jahrelanger Forschungserfahrung im Bereich LRS sagte:„Wenn du zehn Wissenschaftler nach einer Definition zu LRS oder Legasthenie befragst, bekommst du wahrscheinlich 11 verschiedene Antworten.“
Wenn du das überprüfen möchtest, gib einfach „Definition LRS“ bei Google ein. Du wirst schnell feststellen, wie unterschiedlich die Erklärungen ausfallen.
Du kannst es aber auch gerne – hier auf meiner Seite – in meinen Artikeln zu LRS oder Legasthenie nachlesen. ;-)
Das hat eine wichtige Folge:
- Jeder verwendet den Begriff ein wenig anders.
Deshalb werden häufig völlig unterschiedliche Kinder unter derselben Bezeichnung zusammengefasst.
Wenn es keine einheitliche Definition gibt, dann ist es ja zwangsläufig, dass es auch keinen standardisierten LRS-Test gibt.
Deshalb beruht jeder LRS-Test auf eigenen Kriterien des jeweiligen Anbieters.
Mach dir keinen Kopf:
Ich habe doch vorhin schon gesagt, dass wir überhaupt keinen Test brauchen.
Was wird beim LRS-Test gemacht?
Erst letzte Woche fragte mich eine Mutter am Telefon
„Soll ich mein Kind überhaupt testen lassen? Und wenn ja – wo?“
Was erwartest du dir von einem LRS-Test?
Die Reaktionen der Eltern könnten unterschiedlicher kaum sein:
Mehr als einmal habe ich Eltern getroffen, die total erleichtert waren, wenn sie das Ergebnis eines LRS-Tests mit der Diagnose „Ihr Kind hat Lese-Rechtschreib-Schwäche“ oder auch „…Legasthenie“ in Händen hielten.
Anfangs war ich darüber einigermaßen erstaunt.
Das legte sich aber, wenn ich mit den betroffenen Eltern darüber gesprochen habe…
So sagte mal ein Vater sehr klar zu mir:„Wissen Sie, Herr Hofmann, wir suchen schon so lange nach Möglichkeiten unserem Sohn zu helfen. Sie glauben ja gar nicht, was wir schon alles unternommen haben.
Jetzt haben wir diesen LRS-Test gemacht und haben es jetzt endlich schwarz auf weiß. Unser Kind hat eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Wir wissen jetzt endlich, woran wir sind.
Wir müssen nicht mehr weiter nach möglichen Ursachen suchen.
Sie glauben ja gar nicht, welche Last dadurch von unseren Schultern genommen ist.“
Die eigentliche Frage lautet jetzt:
Wie hilft das deinem Kind?
Eine Mutter brachte es klipp und klar auf den Punkt:
„Ich weiß jetzt, dass ich nicht schuld bin. Mein Mann wirft mir das die ganze Zeit vor. Also nicht so, dass er das ausspricht – aber ich spüre das. Irgendwie ist das Kind in meiner Verantwortung. Schließlich bin ich ja zu Hause und kümmere mich um unseren Sohn. Und mein Mann gibt mir das Gefühl, dass ich das verbockt habe.
Mit dem Ergebnis aus dem LRS-Test habe ich jetzt endlich etwas in der Hand. LRS ist schließlich eine Krankheit, für die weder ich noch mein Sohn etwas können.“
Was bedeutet dir das Ergebnis?
- Suchst du in erster Linie eine Erklärung?
- Oder eine Bestätigung?
- Möchtest du nicht länger Schuld sein?
- Brauchst du Argumente für die Lehrerin?oder für ein Eltern-Gespräch in der Schule?
- Ist das Ergebnis wichtig für Dich?
- Nimmst du dein Kind anders wahr, wenn es eine LRS bescheinigt bekommt?
Nimm diese Fragen bitte ernst:
Nimm dir einen Moment Zeit.
Welche dieser Fragen beschäftigt dich am meisten?
Was bedeutet das Ergebnis für dein Kind?
- Wünschst du dir ein Ergebnis, um es deinem Kind in der Schule einfacher zu machen?
- Um ihm Wege zu ebnen?
- Damit die Lehrerin mehr Verständnis zeigt?
- Oder Mitschüler aufhören, dein Kind zu mobben?
- Oder hast du die Hoffnung, dass dein Kind sich nicht mehr schämt, wenn es auf seine Rechtschreibung angesprochen wird?
Das betrifft übrigens nicht nur die Schule.
Kinder haben mir wirklich häufig erzählt, dass die Oma oder der Opa da gar nicht gut mit umgehen können. Das sind leider wirklich keine Einzelfälle…
Warnung vor online LRS-Tests
Vor einiger Zeit saß ich mit einer Mutter zusammen, die mehrere Online-LRS-Tests ausprobiert hatte.
Ich saß mit einer Mutter zusammen, die für ihr Kind im Internet mehrere Online-Tests gemacht hatte.
Beim Vergleich der Ergebnisse fiel auf, dass die Ergebnisse sich ziemlich ähnlich waren.
Beim Lesen der Auswertungen fiel mir auf, dass viele Aussagen erstaunlich ungenau waren.
Deshalb machten wir einen kleinen Versuch.
Wir änderten die Angaben bewusst deutlich.
Das Ergebnis überraschte uns.
Was können wir daraus schließen?
Die Auswertungen unterschieden sich kaum.
Fast alle Tests liefen auf dieselbe Aussage hinaus:
- Will man dich davon überzeugen, dass dein Kind ganz sicher ein Problem hat. Allerdings nicht derartig schwerwiegend, dass man es nicht
- in den Griff bekommen kann.
Probleme werden da schon mal als vorübergehend bezeichnet. Oder es wird darauf hingewiesen, dass nur Teilbereiche auffällig sind.
Aber auch Behauptungen wie „LRS kann man behandeln – Legasthenie nicht“ waren da zu lesen.
Ganz gleich, welche Angaben wir machten – das Ergebnis lag fast immer im gleichen Bereich.
Solche Ergebnisse helfen Eltern kaum weiter.
Die Botschaft war fast immer dieselbe:
Das Problem ist ernst genug, dass du handeln solltest – aber nicht so schwer, dass es hoffnungslos wäre.
Warum ich keinen Test brauche
Viele Jahre habe ich mit Kindern gearbeitet, die wegen ihrer LRS zu mir kamen.
Manchmal brachten die Eltern Bescheinigungen mit.
Dem Kind wurde LRSbescheinigt.
Oder Legasthenie.
Oder Teilleistungsstörungen.
Oder eine isolierte Rechtschreibschwäche.
Oder…
Für meine Arbeit spielte das allerdings keine Rolle.
Mich interessierte nicht, was ein Kind angeblich nicht kann.
Ich wollte wissen, was bereits funktioniert.
„Wie machst du das, wenn du ein Wort richtig schreibst!“ habe ich die Kinder immer gefragt.
Aber achte darauf, wie dein Kind allein schon auf die Frage reagiert.
Der Kopf zuckt nach oben.
Im Gesicht taucht ein großes Fragezeichen auf.
Oft konnte ich direkt sehen, wie die Kids anfangen nachzudenken.
„Also danach hat mich ja echt noch niemand gefragt…“
Soll ich dir die häufigste Antwort verraten?
„Ich kann nichts richtig schreiben!“
Manchmal noch ergänzt durch ein „…deshalb bin ich doch hier.“
Geäußert im Brustton der Überzeugung.
Ich will jetzt an dieser Stelle nicht darauf eingehen, wie tief in der Kinderseele eine derartige Überzeugung verankert sein muss, damit ein Kind einen solchen Satz über sich selber sagt.
Viel wichtiger war dabei:
Ich habe mich davon nie beeindrucken lassen.
„Wenn ich mir diesen Text anschaue, den du geschrieben hast, dann sind darin 57 Wörter korrekt und 14 Wörter anders geschrieben. Deshalb möchte ich gerne mit dir zusammen herausfinden, wie du das machst, wenn du ein Wort richtig schreibst. Magst du mir das verraten?“
Da kann ich prima hinterher schieben:„Wenn wir das herausfinden und können das dann auf die andern Wörter übertragen… dann ist dein Problem mit dem Schreiben doch ganz flott erledigt, oder? Wie würde dir das gefallen?“
Diesen Unterschied spürt auch dein Kind.
Du kannst das gerne ausprobieren.
Doch, doch: Mit deinem Kind.
Die Reaktion der Kinder war fast immer dieselbe:
Sie waren ziemlich neugierig.
Jetzt wollten Sie selber herausfinden, wie sie es schaffen, Wörter richtig zu schreiben.
Ab diesem Moment arbeiteten die meisten Kinder begeistert mit.
Sogar bei Tests – solange ich sie nicht so nannte.
Wenn du diesen Weg mit deinem Kind gehen möchtest, findest du im internen Bereich meines Programms alle Schritte im Detail.
Wenn du zu den Menschen gehörst, die sich nirgendwo eintragen wollen, auch wenn es kostenlos ist, dann lies wenigstens den Weg zur Lösung.
Zeig deinem Kind einen Lernweg, der wirklich zu seinem Gehirn passt.
Dann kann sich Rechtschreibung endlich sicher entwickeln.